Abel Tasman – Der Seemann, der Tasmanien entdeckte und das viel größere Australien verfehlte

Abel Tasman – Der Seemann, der Tasmanien entdeckte und das viel größere Australien verfehlte

1642 wurde Tasman mit der Aufgabe betraut, das Land “Terra Australis Incognita“ zu finden. In Europa glaubte man damals, dass es irgendwo auf der Südhalbkugel einen großen, noch nicht entdeckten Kontinent gibt, der eine Art Gegengewicht dem riesigen Festland auf der Nordhalbkugel darstellte. Dazu wollte Tasman neue Handelsrouten finden. Es ist unglaublich, dass Tasman auf drei Seiten Australien umsegelte und nie schaffte, das australische Festland zu sichten. Jedoch bewies er, dass „Terra Australis“ nicht so groß war, wie sie sich Europäer vorstellten.

Die Insel Tasmanien liegt südöstlich von Australien und wurde nach dem niederländischen Kapitän und Forscher Abel Janszoo Tasman benannt. Er war der erste Europäer, der die Insel erreichte. Erstaunlicherweise konnte er das viel größere Australien nicht finden.

Karriereanfang und frühe Expeditionen

Tasman stammte aus Lutjegast, einem Dorf in der Nähe von Groningen in den Niederlanden. Das genaue Geburtsdatum ist nicht bekannt. Er wurde wahrscheinlich 1603 geboren. Über seine Kindheit und Jugend ist wenig bekannt.

Aus späteren Quellen wissen wir jedoch, dass er nicht nur schriftkundig sondern auch ein geschickter Schiffsführer war. Daraus lässt sich schließen, dass er wahrscheinlich nicht zu den ärmsten Sozialschichten gehörte. Sehr schnell wurde er Schiffsoffizier. 1634 war ihm zum ersten Mal das Kommando über ein Schiff betraut. Während dieser Fahrt zeichnete er sich durch hohe Führungskompetenz und Navigationsfähigkeit aus. Er fing an, bei der Niederländischen Ostindien-Kompanie zu arbeiten, wo er zum Kapitän wurde und führte ein paar Schiffe auf dem Gebiet des heutigen Indonesiens. Dorthin brachte er Patrolen, die dortige Piraten und Schmuggler zu bekämpfen versuchten.

Im Jahre 1639 wurde Tasman zum stellvertretenden Expeditionsleiter im Nordpazifik. Während der Expeditionsreise besuchten sie Formosa (heute Taiwan) und die weit entfernte Hafenstadt Nagasaki (die einzige Fremdkolonie in Japan). Das Ziel der Expedition war es festzulegen, ob sich welche Inseln östlich von Japan befinden, denn die Niederländer glaubten, dass in diesem Gebiet reiche Silberfunde liegen. Doch scheiterten sie dies zu entdecken und viele Besatzungsmitglieder starben and Krankheiten. Dennoch wollte er noch einmal hinfahren und versuchen, aber seine nächsten Aufgaben waren Handelsreisen nach Japan und Kambodscha.

Expedition 1642 – 1643

1642 wurde Tasman mit der Aufgabe betraut, das Land “Terra Australis Incognita“ zu finden. In Europa glaubte man damals, dass es irgendwo auf der Südhalbkugel einen großen, noch nicht entdeckten Kontinent gibt, der eine Art Gegengewicht dem riesigen Festland auf der Nordhalbkugel darstellte. Dazu war es am wichtigsten, neue Handelsrouten zu finden.

Niederländer entdeckten schon vorher einige Teile der westlichen Küste Australiens und glaubten, dass sie einem größeren Kontinent gehörten. Sie hatten Recht, aber der Kontinent war nicht so groß, wie sie sich ursprünglich vorstellten.

Tasman brach im August desselben Jahres von Batavia (heute Jakarta) aus auf. Er hatte zwei Schiffe (“Heemskerck“ und “Zeehaen“) unter dem Kommando und 110 Besatzungsmitglieder. Zuerst fuhr er weit nach Westen bis Maurizius (damals eine Kolonie der Ostindien-Kompanie). Er erreichte Maurizius am 5. September 1642 und füllte Vorräte an Lebensmitteln und Trinkwasser auf. Danach segelte er nach Osten aber weiter südlich als vorhergehende Expeditionen (d.h. näher an den Südpol). Deswegen verpasste er das ganze Südaustralien.

Entdeckung Tasmaniens

Am 7. November musste Tasman wegen des schlechten Wetters nach Nordosten segeln. Er hoffte, auf diesem Weg die Salomon-Inseln zu erreichen, aber zuerst entdeckte er eine Insel, die er Van Diemens Land benannte, nach Antonio van Diemen, dem damaligen Generalgouverneur von Niederländisch-Indien. Später wurde die Insel in Tasmanien umbenannt. Tasman bemerkte, dass die Insel bewohnt ist, aber die Einheimischen wollten keinen Kontakt mit den Europäern aufnehmen. Tasman kam an die Westküste an und segelte dann nach Süden. Er umsegelte die Südküste und verließ die Insel. So verpasste er wieder die Gelegenheit, die Küste Australiens zu sichten!

Entdeckung Neuseelands und Rückkehr

Tasman segelte weiter nach Osten, wo sein Schiff von einem heftigen Gewitter beglitten wurde. Später behauptete er, dass ihm nur sein Kompass rettete. Am 13. Dezember entdeckte er Neuseeland und benannte die Insel Staten Landt nach dem Staten Generaal, dem Parlament der damaligen niederländischen Republik. Tasmans Besatzung schiffte an die Westküste der südlichen Insel aus. Auf diesem Gebiet liegt heute der National Park Abel Tasman.

Tasman war sich aber sicher, dass er das südlichste Teil Südamerikas erreichte. In der damaligen Zeit glaubte man nämlich, dass Südamerika näher an Indonesien liegt. Dazu konnte er die Cookstraße zwischen den zwei größten Inseln Neuseelands nicht finden. Er dachte, dass die Cookstraße eigentlich eine Bucht ist). Tasman wurde zum ersten Europäer, der den Kontakt zu den Maoris hatte, den Einheimischen Neuseelands. Dies geschah am 18. Dezember und obwohl der erste Kontakt ruhig verlief, kam es zur Gewalt in der Nacht, als vier Niederländer getötet wurden. Deswegen benannte Tasman die Stelle als Mörderbucht (heute Goldene Bucht). Spätere archäologische Forschungen zeigten, dass sich die Niederländer zufällig auf das für Maori wichtige landwirtschaftliche Gebiet aussteigen versuchten, was die Einheimischen hätte anregen können, einen Präventivschlag auszuholen.

Tasman verließ Neuseeland und segelte zunächst nach Norden, dann nach Westen und umsegelte Neuguinea. Auf der Rückfahrt entdeckte er die Inseln Tonga (wo die Einheimischen freundlich waren und handeln wollten) und Fidschi, aber er verfehlte völlig die östliche und nördliche Küste Australiens! Glücklicherweise schiffte er auf Fidschi nicht aus und vermied dadurch gefährliche Riffe in der Nähe der Insel. Er kam in Batavia am 15. Juni 1643 zurück.

Sein Arbeitgeber – die Niederländische Ostindien-Kompanie – sah die Tasmans Reise als gescheitert an, weil er weder einen neuen Kontinent noch eine neue Handelsroute fand. Trotzdem war sein Beitrag zur Forschung sehr bedeutend. Fast 130 Jahre lang segelte kein europäischer Seemann nach Tasmanien und Neuseeland, so lange bis die Expedition von James Cook.

Expedition 1644

Im Januar 1644 schickte ihn die Kompanie nochmals los. Während der Fahrt forschte er Neuguinea und Westküste Australiens. Da die Niederländer immer noch dachten, dass Tasman in der ersten Expeditionsreise nah an Südamerika kam, sollte er diesmal einen kürzeren Weg zu Fidschi finden und dort eine Basis schaffen, die als Stützpunkt für Angriffe auf Spanier dienen sollte.

Tasman scheiterte wieder, weil er nicht erkannte, dass die Torres-Straße keine Bucht ist. Wenn er sich nicht vergriffen hätte, hätte er bewiesen, dass Australien und Neuguinea zwei getrennte Erdteile sind, was man damals noch nicht wusste. Jedoch schaffte Tasman, den Golf von Carpentaria zu erforschen, eine Landkarte zu zeichnen, sowie das westliche Teil der Nordküste Australiens entlang (bis der heutigen Stadt Port Hedland) segeln. Die Expedition segelte zurück nach dem Augangshafen im August desselben Jahres. Tasman ließ den Plan, eine Basis für Angriffe auf spanische Kolonien, fallen.

Weiteres Leben und Erbe

Nach der Expedition 1644 erreichte Tasman keine größeren Errungenschaften. Er besuchte Sumatra und Siam (heute Thailand), wo ihm die Ostindien-Kompanie nur kleinere Aufgaben erteilte. Im Jahre 1648 fuhr er eine Expedition, die zum Ziel hatte, in der Nähe von Manila spanische Schiffe mit Silber aus dem Hinterhalt anzugreifen. Er hatte aber keinen Erfolg. Ende 1649 wurde er verurteilt, weil er angeblich betrunken anordnete, einen Matrosen ohne Gericht aufzuhängen. Er ging  seines Ranges verlustig und musste Schmerzensgeld an den Matrosen zahlen. Anfang 1651 wurde er jedoch für unschuldig erklärt und erlangte seinen alten Rang zurück.

Abel Tasman ging in die Rente 1653 und verbrachte den Rest seines Lebens als Grundbesitzer in Batavia, wo er am 10. Oktober 1659 starb. Viele Lokalitäten tragen heutzutage seinen Namen. Neben der Insel Tasmanien wurden auch die Halbinsel Tasman im Südosten Tasmaniens, die Tasmans Bridge (in der Nähe von Hobart auf Tasmanien, Tasmans Autobahn (auch auf Tasmanien), Tasmansee (zwischen Australien, Tasmanien und Neuseeland), Nationalpark Abel Tasman, der Fluss Tasman (auf Neuseeland) usw. benannt.

“Am 1. Dezember ankerte ich in einer Bucht, die ich die Frederik Henriks Bucht nannte [nach dem damaligen Knecht Oranien]. Ich hörte, oder mindestens denke ich, dass ich Menschen an der Küste hörte, aber ich sah niemanden. Ich bemerkte nur zwei 60 – 65 Füße große (vom Wurzel bis die Äste) und 2 – 2,5 Klafter breite Bäume. In der Baumrinde sah ich mit Feuerstein gemachte Einschnitte, die dazu dienten, auf den Baum zu steigen und Vogelneste zu erreichen. Da die imrpovisierte Leisten voneinander fünf Füße entfernt waren, lässt sich darauf schließen, dass die Inselbewohner entweder sehr groß sind oder dass sie eine Klettertechnik kennen, die uns nicht bekannt ist. Auf einem Baum waren die Einschnitte frisch gemacht. Daher stellten wir fest, dass sie nicht älter als vier Tage sind. Wir hörten Geräusche, die einer Trompete ähnelten. Es schien, als ob die Quelle sehr nah an uns war, aber wir bemerkten keine lebenden Wesen in unserer Nähe. Im Sand bemerkte ich Fußspuren von Wildtieren vielleicht von einem Tiger oder ähnlichen Tier. (…) Am 5. Dezember bestimmte ich meine geographische Lage. Ich rechnete aus, dass ich mich auf 41 Grad Breite und 34 Minute und auf 169 Grad Länge befinde. Dann verließ ich das van Diemens Land und entschloss mich ostwärts zu segeln, auf 195 Grad Länge, in der Hoffung, die Salomonen zu finden.” 

Aus dem Tagebuch von Abel Tasman

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