Samurai – legendäre, ehrenhafte Krieger

Samurai – legendäre, ehrenhafte Krieger

Von: Boris Blažina

Samurai oder „die Dienenden“ sind einige der berühmtesten Krieger in der Geschichte, die die kriegerische Feudalzeit in Japan (Sengoku jidai) kennzeichneten. Sie sind die bekanntesten Hauptfiguren in Filmen von Akiro Kurosawa wie auch der Franchise Total War. Ihre Verhaltensweise wurde im Bushido Kodex geregelt (Weg des Kriegers), in dem Selbstkontrolle, Gehorsamkeit und Ehre betont waren. Im Unterschied zur europäischen ritterlichen Kultur, der Samurai-Stand existierte bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Der Samurai-Stand hat seinen Ursprung in der Heian-Periode, bzw. in der Zeit des Krieges gegen das Volk Emishi in der Region Tōhoku im Norden der größten japanischen Insel Honshu. Damals begannen sich reiche Grundbesitzer von der Zentralmacht zu verselbständigen und Armeen für eigene Verteidigung zu gründen. Der japanische Zar verließ sich auf diese Soldaten, die meistens als Reiterschütze kämpften, um Aufstände in seinem Land niederzuschlagen. Die neue Kriegerschicht fing an, sich mit der traditionellen Adelsschicht am Hof zu verschmelzen.

Entstehung des neuen Standes

Die Bezeichnung Samurai beduetet „Dienender“ (einem Herren). Einst wurden die Samurai auch Bushi genannt, aber die Bezeichnung war auch für Krieger im Allgemeinen üblich und bedeutete nicht, dass sie im Dienste eines Herren standen.

Solche gesellschaftliche Verhältnisse verursachten die Machtabschwächung des japanischen Zaren und Aufstieg des Standes, dem reiche Krieger-Grundbesitzer gehörten. Die zwei mächtigsten Sippen der Grundbesitzer waren die Familien Minamoto und Taira, die im 12. Jahrhundert um die Herrschaft in Japan kämpften (Gemepei-Krieg). Der Sieger war Minamoto Yorimoto, der 1192 das erste Shogunat errichtete – erbliche Militärdiktatur. Der Sitz befand sich in Kamakura anstatt in der alten Residenzstadt Kyoto, weil Kamakura näher dem Sitz der Familie Minamoto lag. Daher auch die Bezeichnung „Kamakura-Shogunat“. Damit fing die Ära der Samurai-Herrschaft, die fast 700 Jahre dauerte. Zu dieser Zeit wurde das Schwert zum symbolischen Emblem des Samurai-Standes und bekam größere geistliche Bedeutung als irgendeine andere Waffe.

Das Kamakura-Shogunat bestand bis 1336, als es von der Familie Ashikaga gestürzt wurde ein neues Shogunat unter ihrem Namen errichtet wurde. Ihre Macht dauerte bis der Senkogu-Zeit.

Philosophie und Verhaltenskodex

Samurai mussten die Regel aus dem Buschido-Kodex beachten. Naturlicherweise hielten sie sich daran nicht gleichermaßen. Buschido entstand unter dem Einfluss von Konfuzianismus und seine Leitwerte waren Loyalität gegenüber seinen Übergeordneten, Selbstkontrolle, Selbstachtung und moralisches Verhalten.

Bewaffnung

Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts durften in Japan nur Samurais ein Schwert tragen, das länger als 60 cm war (kürzere Schwerte nannte man wakizashi oder Degen). Obwohl das Schwert (katana) traditionell als Samurai-Waffen angesehen wird, eigentlich waren viel häufiger Lanzen (yari) oder Bogen (yumi) die wichtigste Bewaffnung, während Schwerte nur Hilfswaffe und Statussymbol waren. Dazu begann man in der Sengoku-Zeit, auch Feuerwaffen zu benutzen. Die Vorstellung von Samurai als ehrenhaften Kriegern, die Feuerwaffen ablehnten, entstand erst in der Edo-Zeit, als in Japan Frieden herrschte und Samurais zu Grundbesitzer wurden. Daisho war für Samurais typische Bewaffnung, die aus einem Schwert und einem langen Degen (katana und wakizashi) bestand, hatte eher eine symbolische als eine praktische Funktion.

Struktur des Samurai-Standes

Samurai unterschieden sich in der ersten Reihe durch Herkunft, Erfahrung und Vermögen. Koku war die Maßeinheit für eine festgesetzte jährliche Reismenge, die genug für eine Person in einem Jahr war (etwa 180 Liter), um zu überleben. Die reichsten Samurai waren Landvögte und Befehlshaber. Ihnen untergeordnet waren berittene Samurai und die rangniedrigsten Samurai-Fußsoldaten. Natürlich beinflusste die Herkunft eines Samurai stark sein gesellschaftliches Ansehen, beispielsweise durften nur Samurai aus den ältesten Adelsfamilien zu Shogunen werden. Ältere und erfahrene Samurai konnten in einigen Situationen (wie bei der Ausarbeitung von Militärplanen) den Vorzug sogar vor Ranghöheren Samurai haben.

Herrenlose Samurai hießen ronin und falls sie einen neuen Herr nicht finden konnten, mussten sie auf Wanderschaft ziehen. Sie arbeiteten als Leibwächter, Söldner oder wurden zu Räubern. Herrenlose Samurai wurden zum beudetendsten gesellschaftlichen Problem nach dem Ende der Sengoku-Zeit, weil sie nur schwer einen neuen Herren finden konnten und die Zentralmacht Druck auf daimyoe mit der Absicht übte, die Kriegeranzahl in ihrem Dienst zu verkleinern.

Samurai und Frauen

Die Hauptaufgabe der Ehefrau eines Samurai war Haushaltsversorgung, was sich auch in ihrem Namen abzeichnete – okugatasama (diejenige, die zu Hause bleibt). In Kriegszeiten war dies besonders wichtig, da Samurai oft weit weg von Zuhause waren. Frauen mussten oft alle Tätigkeiten rund um den Haushalt (einschließlich Buchhaltung) ausüben. Sie waren für die Kindererziehung zuständig und mussten sich um ältere und schwache Haushaltsmitglieder kümmern. Nach Bedarf mussten sie außerdem Kinder und Hausdiener unterrichten sowie Verteidigung des Heimes organisieren. Viele Frauen lernten mit Degen hantieren (tantojutsu), sodass sie sich verteidigen oder Selbstmord begehen konnten (dies war eine Ehrenfrage, falls es die Gefahr bestand, vergewaltigt zu werden). Solche Degen hießen kaiken und waren 20 – 25 cm lang. Sie waren sehr praktisch in Häusern, wo es nicht genug Platz war, um sich mit Katana oder wakizashi zu verteidigen.

Die Tugenden, die bei Frauen im Samurai-Stand hoch bewertet wurden, waren Frömmigkeit, Gehorsamkeit, Selbstkontrolle, Kraft und Loyalität. Konfuzianistische Gesetze waren die Grundlage für Verhältnisse in der Samurai-Ära und die forderten, dass Ehefrauen unterwürfig ihren Ehemännern und loyal ihren Eltern sind. Sie mussten ihre Kinder auch disziplinieren können, weil zu viel Liebe und Anhänglichkeit Kinder verwöhnen könnten. Die japanische Gesellschaft war außerordentlich patriarchalisch. Sogar Ehefrauen der Samurai waren den Männern unterwürfig und hatten keinen politischen Einfluss. In der Edo-Zeit begann man mehr an der Ausbildung von Frauen arbeiten, so dass Inteligenz und Ausbildung zu erwünschten Frauentugenden wurden.

Die Hochzeit eines Samurai wurde immer von jemandem aus demselben oder auch einem höheren Stand als das Brautpaar organisiert. Es ist interessant, dass Samurai aus niedrigeren Schichten eigentlich mehr Freiheit hatten, weil sie die Hochzeit nur als eine Formalität betrachteten. Im Gegensatz dazu hatten Hochzeiten von hochrangierten Samurai eine wichtige politische Funktion und man brauchte eine lange Zeit, um sie zu organisieren. Niedrig rangierte Samurai durften Frauen aus niedrigeren Sozialschichten heiraten.

Samurai durften Geliebten haben, aber seine Übergeordneten untersuchten eingehend ihre Herkunft. In vielen Fällen wurde eine solche Beziehung als Ehe angesehen. Die meisten Väter, die dem Samurai-Stand nicht gehörten, stimmten einer solchen Beziehung ihrer Töchter zu, weil das Kind eines Samurai auch zu Samurai ohne Rücksicht auf Mutters Herkunft wurde. Einige Samurai heirateten die Töchter von reichen Kaufmännern um Schulden zahlen zu können. Die Kaufmänner sicherten dadurch ein größeres Ansehen.

Samurai durften sich scheiden lassen. Den Männern war es viel leichter, die Scheidung zu vollziehen. Ein Samurai konnte sich aus mehreren Gründen scheiden lassen, z.B. falls seine Frau kein Kind bekommen konnte, aber auch in solchen Fällen konnte ein Paar Kinder adoptieren. Ein Samurai konnte außerdem persönliche Gründe nennen, z.B. dass ihm seine Frau nicht gefällt, obwohl dies selten passierte, denn eine solche Erklärung hätte den Samurai, der die Eheschließung organisierte, beschämt.

Samurai und Ninja

In der heutigen Populärkultur ist Ninja ein Auftragskiller, der die geheime Kampfkunst Ninjutsu beherrschte und eine fast übernatürliche Fähigkeit besaß, ohne bemerkt zu werden, sich in die stärkste Festung einzuschleichen. Heute denkt man, dass Ninjas schwarzes Gewand trugen, das den ganzen Körper außer Augen bedeckte.

Natürlich war es ein wenig anders. Ninjas (auch als shinobi bekannt) existierten tatsächlich in der Zeit der Sengoku jidai, aber ihre legendäre Unsichtbarkeit lag wahrscheinlich in der Fähigkeit, sich als Mitglieder der unteren Klassen zu maskieren, was für die meisten Japaner nicht denkbar war. Ninjas mussten eigentlich einüben, die Rolle eines Mitglieds der unteren Klassen zu spielen (einschließlich z.B. das Sprechen). Dabei verbreiteten sie stark die Gerüchte über ihre eigenen magischen Fähigkeiten. Neben Tötungen führten Ninjas Sabotage oder Spionage durch und hetzten sogar Untertanen gegen ihre Herren.

Das typische schwarze Gewand stammt wahrscheinlich aus dem japanischen Kabuki-Theater, wo auf der Bühne stehende Arbeiter in Schwarz gekleidet waren, um die Aufmerksamkeit des Publikums nicht zu stören, d.h. sie mussten unsichtbar sein. Daher konnte ein plötzlicher Angriff so vorgeführt werden, dass eine “unsichtbare” Person in Schwarz plötzlich ihre Schwert zieht und Schauspieler angreift. Die schwarze Farbe war in der japanischen Kultur mit Unsichtbarkeit verbunden, was die Darstellung der Ninjas in schwarzen Uniformen in der traditionellen japanischen Malerei auch beeinflussen konnte.

Obwohl die Verwendung des Schwertes Ninjata den Ninjas oft zugeschrieben wurde, gibt es keine Beweise, dass solche Waffe tatsächlich existierte. In Wirklichkeit trainierten Ninjas, jede Waffe zu benutzen, die ihnen zu einem bestimmten Zeitpunkt zuhanden war. Eigentlich wäre es ideal gewesen, ihre Aufgabe mithilfe von Gift oder Sprengstoff zu erledigen und gar nicht bemerkt zu werden.

In der westlichen Welt wurde ein falsches Image von Ninjas geschaffen, wobei sie eine Art Kontrakultur gegenüber Samurai darstellen. Samurai wurden als ehrenhafte und großmutige Krieger, die fair und ohne schmutzige Tricks kämpften, angesehen.  Währendessen seien Ninjas geschickt in unorthodoxen Kampfkünsten, Spionage, Tötungen aus Hinterhalt und dergleichen. Ninjas werden oft als Todfeinde der Samurai oder als amoralische Söldner gezeigt, die von Samurai angestellt werden, sodass sich diese ihre Hände durch unehrenhafte Handlungen nicht schmutzig machen.

Meistens gehörten Ninjas tatsächlich dem Samurai-Stand. Die Idee, dass Ninjas getrennt vom Rest der japanischen Gesellschaft existierten, tritt erst in der Edo-Zeit auf, d.h. während der langen Friedensperiode, als Samurai begannen, Werte und Sitten der höfischen Aristokratie zu übernehmen. Die Vorstellung, dass sich Ninjas und Samurai entgegengestellt waren, wurde erschaffen, um die neu entstandenen Samurai-Grundbesitzer von den Samurai-Kriegern zu trennen, die sich von schmutzigen Angelegenheiten nicht zurückhielten.

Ninjas verschwanden nach dem Ende der Sengoku-Zeit. Sie versuchten, einige der prominentesten Samurai der japanischen Geschichte zu töten, einschließlich Odo Nobunaga (den seine Rüstung rettete), Toyotomi Hideyoshi und Takeda Shingen. Uesugi Kenshin wurde angeblich auch von einem Ninja getötet, allerdings gibt es dafür keine harten Beweise und es ist möglich, dass er an einer Krankheit starb.

Takeda Shingen und Uesugi Kenshin: Tiger und Drache

Uesugi Kenshin (1530 – 1578) war einer der bekanntesten japanischen Samurai (daimyoa) aus der Sengoku-Zeit. Er wurde noch vor dem Aufstieg von Oda Nobunaga berühmt. Kenshin war als devoter Buddhist bekannt (Kenshin ist ein buddhistischer Name) und genoss ein so hohes Ansehen, dass er für einige die Verkörperung eines Kriegsgottes darstellte. Er erwarb sich den Spitznamen „Drache von Echigo“. Seinen ersten Sieg feierte er als er nur 15 Jahre alt war und schon mit 19 wurde er zum Anführer seines Clans.

Kenshin blieb in Erinnerung wegen der Rivalität mit Takeda Shingen (1521 – 1573), dem daimyo aus Nordjapan, der für sein Intellekt und unbesiegbare Kavallerie bekannt und der auch sehr früh zum Clananführer wurde (mit 21 Jahre). Da Shingens Spitzname „Tiger aus Owari“ war, ihre Rivalität bekam eine religiöse Bedeutung. Das Motiv von zwei sich entgegengesetzten Tieren – Tiger und Drachen – hat eine besondere symbolische Bedeutung in Buddhismus.

Die Rivalität zwischen Kenshin und Shingen wurde zur Legende. Die Rivalen kämpften fünfmal bei Kawanakajima aber jedesmal ohne Sieger. Angeblich drang Kenshin während der vierten Schlacht in Shingens Lager, aber diesem gelang, mit einem Kampffächer bewaffnet, sich gegen Angriffe zu verteidigen bis zuletzt Kenshin zum Rückzug gezwungen war.

Es gibt viele Geschichten über ihre Beziehung zueinander außerhalb des Kampffeldes, die sich aber nicht bestätigen lassen. Nachdem feindliche daimyoi Shingen Salzlieferungen gestoppt hatten, half Kenshin seinem Feind einer Legende zufolge, indem er ihm Salz schenkte. Angeblich sagte Kenshin: „ Ich kämpfe nicht mit Salz, sondern mit dem Schwert.“ Er behauptete auch, dass solche Blokaden den unschuldigen Bauern viele Probleme verursachten.

Es ist interessant, dass die Beiden Oda Nobunaga fast besiegten und die Beiden unter unerklärten Umständen starben (wahrscheinlich an einer Krankheit, aber es wird gezweifelt, dass sie einem Scharfschützer zum Opfer gefielen).

1467 – 1615

Die Periode Sengoku jidai

1338 – 1573

Die Periode Muromachi

1573 – 1615

Die Periode Azuchi-Momoyama

1615-1868

Die Periode Edo

INFOBOX: Buschido-Kodex

Buschido bedeutet wörtlich „Weg des Kriegers“. Es bezieht sich auf den Verhaltenskodex, der sich jahrhundertelang entwickelte und die Basis für alle Verhaltensweise eines Samurai darstellte. Der Kodex bestimmte ihre Lebensweise und ihre Philosophie. Buschido entstand unter dem Einfluss von Konfuzianismus, Shintoismus, Zen-Budhismus und traditionellen Ethik des japanischen Kriegerstandes. Eines der Kodexziele war, den Samurai innere Ruhe zu ermöglichen, da ihr Leben eng mit Gewalt verbunden war. Der Samurai-Kodex lässt sich einigermaßen mit dem europäischen Ritterkodex vergleichen. Viele Samurai waren Anhänger von Zen-Buddhismus, dessen einfache Rituale, Bescheidenheit und Glaube, dass die Erlösung von Innen kommen muss, sich ausgezeichnet in die Lebensweise von Samurai einfügten.

Der Kodex beinhaltete sieben Tugenden eines Samurai:

Gi (Gerechtigkeit)

Yu (Mut)

Jin (Güte)

Rei (Höflichkeit und Respekt)

Makoto (Wahrheit und Wahrhaftigkeit)

Meiyo (Ehre)

Chūgi (Treue)

(…) Recht und Unrecht sind nichts anderes als Gut und Böse. Obwohl ich nie negieren würde, dass zwischen den zwei Begriffen der Unterschied klein ist, Richtig handeln und Gutes tun werden als schwer und langweilig angesehen, während falsch und schlecht handeln, leicht und verlockend betrachtet wird, weshalb ein Großteil der Menschen lieber falsch und schlecht handelt und Recht und Gut verachtet. Aber so labil zu sein, und nicht zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden ist unvernünftig. Also, wer diesen Unterschied kennt, und doch falsch handelt, ist kein echter Samurai, sondern lediglich eine ungebildete Person. Die Ursache von alldem ist die fehlende Selbstbeherrschung. Wenn wir den wahren Ursprung untersuchen, entdecken wir, dass es sich schlussendlich um Feigheit handelt. Daher behaupte ich, dass es für einen Samurai grundlegend ist, sich vom Unrechten abzuhalten und das Rechte zu tun.“ (Daidoji Yuzan, Samurai und Autor der populären Einleitung in Bushido, Budō Shoshin-shū)

Waffen der Samurai:

Schwerte – die ältesten Samurai-Schwerte (1. chokutō) hatten eine gerade Klinge. Die ersten Schwerte mit gebogener Klinge nannte man (2.) tachi. Sie entstanden Ende des 10. Jahrhunderts. Von diesem Schwert entwickelten sich kürzere, für Fußsoldaten anwendbare Schwerte wie uchigatana oder (3.) katana, deren Anwendung in der Sengoku-Zeit den Höhenpunkt erreichte und zum Synonym für Samurai-Schwerte aller Formen wurde. Samurai verwendeten auch kurze Schwerte (4. wakizashi) und Degen (5. tantō) wurde als „Ehrenwaffe“ angesehen. Samurai mussten ihn immer dabei haben, auch in Gebäuden, wo andere Waffen verboten waren. Es gaben auch Schwerte, die man mit beiden Händen halten musste (ōdachi oder nodachi). (6.) Yumi – langer Bogen und die wichtigste Waffe im alten Japan bis zur Einführung der Feuerwaffen. Yumi ist ein assymetrischer Kompositbogen, der aus Bambusleisten, Holz, Schilf und Leder besteht. Er hatte die Schussweite bis 100 Meter und präzise Schussfähigkeit. Wegen seiner charakterischen Form konnte er von Rittern und Fußsoldaten benutzt werden, die ihn gewöhnlich hinter großen verstellbaren Schutzschildern (7. tate) versteckten.

(8.) Yari und naginata – eine japanische Lanze hieß yari und drängte im Laufe der Zeit naginata (mit gebogener Klinge am Stock). Zu diese Waffenveränderung kam es, weil die Anzahl der Krieger pro Schlacht wuchs und es nicht so viele Gelegenheiten für Duelle gab. Hingegen war es wichtiger, der Armee zu ermöglichen, dass so viele Krieger wie möglich auf einmal ihre Feinde angreifen können.

Tanegashima – eine Arkebuse, die 1543 portugiesische Händler nach Japan brachten. Bald wurde sie auch von japanischen Handwerkern massenweise hergestellt, was eine schnelle Aufstellung von aus Ashigaru-Soldaten zusammengesetzter Armee ermöglichte, deren Bewaffnung von der Distanz die Samurai-Rüstung durchstoßen konnte. Im Laufe der Zeit drängte tanegashima auch yumi und brachte zu großen Veränderungen in der Kriegskunst. Nach dem Ende der Sengoku-Zeit sank der Bedarf für solche Waffen. Als sich die Europäer im 19. Jahrhudert in die Innenpolitik Japans einmischen begannen, stieg erneut das Interesse an Feuerwaffen, aber zu diesem Zeitpunkt waren tanegashima schon veraltet. Während der 70er Jahre des 16. Jahrhunderts fingen Japaner immer mehr Kanonen zu benutzen, die die Schlüsselrolle bei der Belagerung des Schlosses Osaka und vielen anderen Befestigungen spielten.

Samurai trugen eine Ausrüstung mit charakterischen Eigenschaften (10. yoroi). In der Regel waren sie aus Metallschuppen gefertigt mit Kehrseite aus Leder und mit Lack beschmiert zum Feuchtigkeitsschutz. An einigen späteren Rüstungen wurden die Metallschuppen durch Metallplättchen ersetzt, die sogar gegen Gewehrkugel schutzten. Da sich an Schlachten immer mehr Krieger beteiligten, musste man Krieger und Truppen voneinander unterscheiden. Deswegen wurden Fahnen (11. sashimono) eingeführt, die Krieger trugen mussten. Krieger hatten dazu oft Zeichen ihrer Familie oder ihres Dienstherren an Brüsten. Offiziere unterschieden sich in der ersten Reihe durch reich verzierte Helme (12. kabuto).

 Seppuku – Ritueller Selbstmord 

Seppuku (bekannt auch als harakiri, aber die Bezeichnung wurde von Samurai als vulgär betrachtet) war ritueller Selbstmord nur den Samurai vorbehalten. In einigen Fällen war seppuku die einzige Art und Weise, die Ehre zu verschonen. Manchmal wurde es auch als Todesstrafe durchgeführt.

Das Vollziehen des Rituals war bis ins Detail vorgeschrieben: Der Samurai trug weiße Kleidung (weiß steht in Japan für Tod), aß seine letzte Mahlzeit und verfasste sein Todesgedicht. Am besten wäre es, das Ritual in einem Garten oder buddhistischen Tempel (keineswegs in shintoistischen)zu vollziehen. Natürlich konnte das Ritual in dieser Form auf einem Schlachtfeld nicht durchgeführt werden, wenn ein Samurai beispielsweise tödlich verwundet war oder wenn er Gefangenschaft vermeiden wollte.

Auf jeden Fall ging es um einen qualvollen Tod, indem sich Samurai seine Eingeweide mit einem Degen oder dem eigenen wakizashi aufschnitt. Deswegen hatte Samurai gewöhnlich einen Sekundanten (kaishakunin), der nach dem Aufschnitten seinen Samurai enthauptete, um ihm Leid zu ersparen. Ein Samurai musste aus mehreren Gründen Selbstmord begehen. Einige davon hatten auch einen bestimmten Namen: Junshi: Der Samurai folgte seinem Dienstherren in den Tod. Diese Selbstmordart wurde in der Edo-Zeit verboten.

Kanshi: Selbstmord als Protest gegen den Dienstherren, wenn alle andere Überzeugungmethoden misslingen. Diese Selbstmordart konnte auch im Fall von Verstoß gegen Gesellschaft (giri) und Verstoß gegen Menschlichkeit (ninjō) durchgeführt werden – Samurai musste den Befehl seines Dienstherren ausführen, nachdem er sich aus Protest tötete, weil er etwas beging, was gegen sein Moralgefühl war. Sokotsu-shi: Selbstmordart, die für Wiedergutmachung oder Reue verwendet wurde. Zu einem solchen Selbstmord kam es, wenn beispielsweise Handlungen eines Dienstherren seinen Samurai in große Gefahr brachten. Ein weiterer Grund war die Selbstbestrafung für kriminelle Handlungen.

Obwohl Tod allgegenwärtig war, erlebten sie ein hohes Alter – Mōri Motonari beispielsweise starb mit 74, Shimazu Yoshihiro mit 84 und Ryūzōji Lekane und Sanada Nobuyuki mit sogar 92.

Zu Beginn des Lebens eines Menschen bewegt er sich ohne Hindernisse, hat keine Bedenken, keine Blockaden. Doch dann beginnt er zu lernen und wird zaghaft, vorsichtig, empfindet etwas Erdrückendes in seinem Geist, dass ihn hindert, einfach drauf los zu gehen, wie er es tat als er noch nicht gelernt hatte. Zu lernen ist notwendig, doch es kommt darauf an, nicht Sklave des Gelernten zu werden. Du musst sein Meister bleiben, um es nutzen zu können, wenn du es möchtest. (Yagyu Munenori, Schwertkampflehrer)

Teile der Samurai-Rüstung

Kabuto (Helm)

Maedate (Helmbusch auf dem vorderen Teil)

Shikoro (Nackenschutz)

Menpo ili mempo (Gesichtsmaske, meistens in Form einer stilisierten Maske)

Sode (Schulterplatten)

Do ili dou (Brustpanzer)

Kote (Armschienen)

Tekko (Handrückenschutz)

Kusazuri (Hüft- und Oberschenkelschutz)

Haidate (Ober- und Unterschenkelschienen)

Suneate (Beinschützer)

Die Samurai-Rüstung diente als Vorbild für die Rüstung Darth Vaders aus der Star-Wars-Saga.

Bedeutende Ereignisse in der Geschichte der Samurai

1338 – Shogunat Ashikaga in Kyoto gegründet

1441 – Tod von Shogun Shikaga Joshinori – Schwächung der Zentralmacht

1467 – Anfang des Onin-Kriegs und der Periode Sengoku jidai

1534 – Geburt von Oda Nobunaga

1536 / 1537 – Geburt von Toyotomi Hideyoshi

1542 / 1543 – Geburt von Tokugawa Ieyasu

1543 – Ankunft portugiesischer Kaufmänner nach Japan – Feuerwaffen

1549 – Ankunft von St. Franz Xaver nach Japan

1551 – Tod von Oda Nobuhida; Nobunaga wurde zum Anführer von Oda-Clan

1560 – Schlacht bei Okehazama – Oda Nobunaga siegte über den viel mächtigeren Gegner

1561 – 4. Schlacht bei Kawanakajima – der bekannteste Kampf zwischen Kenshin und Shingen

1562 – Oda Nobunaga geht einen Bund mit Tokugawa Ieyasa ein

1567 – Toyotomi Hideyoshi zeichnete sich in der Eroberung des Schlosses Inabayama aus

1568 – Oda Nobunaga eroberte Kyoto

1571 – Gründung einer wichtigen Kolonie durch portugiesische Händler in Nagasaki

1573 – Ashikaga Yoshiaki im Exil; Ende der Periode Muromachi und des Shogunats Ashikaga

1575 – Sieg von Oda Nobunaga und Tokugawa Ieyasu in der Schlacht von Nagashina

1582 – Sebstmord von Oda Nobunaga

1583 – Schlacht bei Shizugatake; Toyotomi Hideyoshi wurde zum mächtigsten Mann in Japan

1584 – Sieg von Tokugawa Ieyasu über Toyotomi Hideyoshi in den Schlachten bei Komaki und Nagakute

1585 – Erklärung von Toyotomi und Hideyoshi für Regenten Japans; Versöhnung von Hideyoshi und Tokugawa

1587 – erste Glaubensverfolgungen von Christen

1590 – Eroberung des Schlosses Odawara und Zusammenbruch des Clans Hojo

1591 – Toyotomi Hideyoshi zerstörte seine letzte Gegner in Japan und wurde de facto zum einziger Herrscher

1592 – Scheitern der Invasion Japans in Korea

1597 – Tod von Ashikaga Yoshiaki; erneutes Scheitern der Invasion Japans in Korea

1598 – Tod von Toyotomi Hideyoshi

1600 – Schlacht von Sekigahara – Tokugawa wurde de facto Herrscher Japans ; Ankunft niederländischer Händler nach Japan

1603 – Tokugawa Ieyasu wurde zum Shogun Japans

1605 – Abdikation von Tokugawa Ieyasu; er übergab die Macht an seinen Sohn Hidetadi

1612 – Anfang der Massenvorfolgungen von Christen in Japan

1614 – Anfang der Belagerung des Schlosses Osaka

1615 – Eroberung des Schlosses Osaka und Tod von Toyotomi Hideyori; Ende der Periode Sengoku jidai

1616 – Tod von Tokugawa Ieyasu

Das Schicksal ist im Himmel, die Rüstung am Brustkorb, Erfolg in den Beinen. Sei im Kampf voll entschlossen zu sterben, und du wirst leben; wünsch im Kampf zu überleben und du wirst sicher den Tod finden. Wenn du das Haus verlässt, entschlossen es nicht wieder zu sehen, wirst du heil zurückkehren; wenn du einen Gedanken an die Rückkehr verschwendest, wirst du nicht zurückkehren.”
(Usugi Kenshin, daimyo aus der Region Echigo)

Lernen ist für den Menschen wie Blätter und Äste für einen Baum – er sollte nicht ohne sie sein. Lernen bedeutet nicht nur Bücher lesen, sondern sollten die erlernten Inhalte in die eigene Lebensweise intergriert werden. Jemand, der im Kriegerhaus geboren ist, lernt ohne Rücksicht auf seinen Rang oder Standzugehörigkeit zuerst einen Mann mit Militärverdiensten in besonderer Hinsicht auf Loyalität kennen. Falls er jeden Tag nur einen Spruch des Kriegers hört, lernt er 30 Regeln in einem Monat. Also, wenn er in einem Jahr 300 Regeln erlernt, wird er zu einem besseren Menschen. Deswegen kann jede Person ihren Verstand in drei Teilen aufteilen: man sollte böse Gedanken eliminieren, gute Gedanken verinnerlichen und eigene Weisheit gut kennen lernen. (…) Ich würde einen solchen Mann respektieren, der sich an diesem Prinzip hält und ich würde ihn gescheit nennen. Was die anderen angeht, die andere Kentnisse besitzen, ich würde sie vermeiden, ohne Rücksicht auf den Umfang ihrer Kenntnisse.“ (Takeda Shingen, daimyo in der Region Kai)

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