Zusammenbruch des Königreichs Jugoslawien

Zusammenbruch des Königreichs Jugoslawien

Von Boris Blažina

Der Angriff unter dem Namen Operation “Vergeltung” fing mit heftigen Bombardements Belgrads am 8. April 1941 an. Das Ziel des Angriffs war, mit einem Schlag die jugoslawische Regierung zu stürzen, seine Luftstreitkräfte und die Flugabwehr außer Gefecht zu setzen und dadurch die Kampfmoral der Bevölkerung zu brechen.

Am 23. März unterzeichnete die jugoslawische Regierung unter der Führung vom Fürsten Paul Karađorđević, der im Namen des minderjährigen Königs Peter regierte, unter ziemlich günstigen Bedingungen den Beitritt Jugoslawiens zum Dreimächtepakt (Jugoslawien musste beispielsweise seine Truppen nicht außerhalb des jugoslawischen Territoriums einsetzen). Die Unterzeichnung des Vertrags fiel an die Delegation, die vom jugoslawischen Premierminister Dragiša Cvetković und dem Außenminister Alexandar Cincar-Marković geführt wurde. Allerdings stoß diese Entscheidung auf eine äußerst negative Resonanz, vor allem unter der serbischen und montenegrinischer Bevölkerung. Weniger als zwei Tage nach der Unterzeichnung des Beitritts zum Dreimächtepakt führten jugoslawische (serbische) Offiziere einen Militärputsch durch, erklärten Peter zum Volljährigen und brachten ihn auf den Thron. General Dušan Simović wurde zum Regenten des Königs. Dabei wurden sie vom britischen Geheimdienst unterstützt. Der Fürst Paul sowie Premierminister Cvetković wurden verhaftet. Obwohl die Putschisten versuchten, Hitler zu vergewissern, dass es zu keinen Veränderungen in den jugoslawisch-deutschen Beziehungen kommen würde, vertraute Hitler ihnen nicht und befahl eine Masseninvasion auf das Königreich Jugoslawien.

Am 6. April 1941 fing der Angriff unter dem Namen Operation “Vergeltung” mit dem heftigen Bombardement Belgrads an. Das Ziel war, mit einem Schlag die jugoslawische Regierung zu stürzen, Luftstreitkräfte und die Flugabwehr außer Gefecht zu setzen und dadurch die Kampfmoral der Bevölkerung zu brechen. Mehrere Tausende von Zivilisten kamen dabei ums Leben – oft wird die Opferzahl auf 17 000 geschätzt, jedoch war sie etwas niedriger. Es ist interessant, dass die Deutschen ursprünglich planten, die jugoslawische Hauptstadt zwei Wochen lang durch Luftangriffe und Artilleriefeuer anzugreifen, aber am Ende wurde die Stadt von einer Handvoll Soldaten unter der Führung des entschlossenen Obersturmbannführers Fritz Klingenberg eingenommen, der die Gelegenheit dafür benutzen wusste. Der Angriff auf Jugoslawien wurde von deutschen Elitetruppen ausgeführt, woran die 1. und 2. Division (“Leibstandarte Adolf Hitler” und “Das Reich”) sowie die gut trainierten Gebirgsjäger in insgesamt 19 Divisionen teilnahmen. Neben Deutschland beteiligten sich auch Italien (22 Divisionen) und Ungarn (4 Korps und Hilfseinheiten) am Angriff auf Jugoslawien, während Bulgarien den deutschen Truppen freien Durchgang durch ihr Territorium gewährten und später an der Verteilung Jugoslawiens teilnahmen. Jugoslawische Militärkräfte (33 Divisionen) zeigten sich unfähig, den Durchstoß der Achsenmächte zu stoppen, wobei nur die jugoslawische Luftwaffe den überlegenen Militärkräften der Achsenmächte bedeutendere Verluste zufügte. Die Achsenmächte verloren ungefähr 60 Flugzeuge und etwas mehr als 4000 Soldaten (Tote, Verletzte und Vermisste). Die Verluste der jugoslawischen Armee sind nicht bekannt, jedoch weiß man, dass mehr als 300 000 Soldaten gefangen genommen sowie 200 bis 300 Flugzeuge in Beschlag genommen wurden, während 50 Flugzeuge niedergeschossen wurden. Interessanterweise sah die jugoslawische Kriegstaktik ähnlich wie im Ersten Weltkrieg den Rückzug eines Teiles der Armee vor, der sich den alliierten Militärkräften in Griechenland anschließen sollte. Der Plan scheiterte und nur eine kleine Anzahl von Flugzeugen und Schiffen konnte zu den Alliierten überlaufen. Diese wurden letztendlich in Ägypten stationiert.

Am 17. April 1941 unterzeichneten die Regierungvertreter des Königreichs Jugoslawien in Belgrad den Waffenstillstand mit dem nazistischen Deutschland. Dies geschah nach 11 Tagen vergeblichen Widerstands gegen die vorrückenden Truppen der Achsenmächte. Nach der Kapitulation jugoslawischer Militärkräfte haben die Besatzerstaaten das Königreich aufgeteilt: einige Gebiete wurden direkt den Achsenmächten angegliedert, während auf den anderen Gebieten Marionettenregierungen errichtet wurden. Unabhängiger Staat Kroatien wurde am 10. April 1941 ausgerufen, also noch vor der offiziellen Kapitulation. Interessanterweise nahmen die ungarischen Truppen erst an diesem Tag am Angriff teil. Ungarn unterzeichnete nämlich einen Nichtangriffsvertrag mit Jugoslawien. Jedoch betrachtete es nach der Ausrufung des Unabhängigen Staates Kroatien diesen Vertrag als nichtig, da der Staat Jugoslawien aufhörte zu existieren. Aus diesem Grund unterzeichnete Ungarn auch keinen Waffenstillstand mit Jugoslawien am 17. April.

Aus strikt militärischer Perspektive wurde die Invasion auf Jugoslawien sehr erfolgreich. In weniger als zwei Wochen gelang es den deutschen Militärkräften und Verbündeten, mit nur bedeutungslosen Verlusten eine Armee zu besiegen, die über 700 000 Soldaten stark war. Dazu hob dieser schnelle und effektive Sieg die Moral des deutschen Volkes sowie die Moral seiner Verbündeten. Doch verstanden Hitler und seine Befehlshaber die komplexe geografische, politische und kulturelle Lage in Jugoslawien nicht und konnten nicht vorhersehen, dass sich Jugoslawien nach dem Abzug des Großteils deutscher Soldaten in die Invasion auf die Sowjetunion zu einem der blutigsten Schlachtfelder des Zweiten Weltkrieges aufflammen wird, auf dem die Achsenmächte letztendlich geschlagen werden.

Kontext der Invasion

Man soll die Invasion auf Jugoslawien im breiteren Kontext der deutschen Politik auf dem Balkan betrachten. Der Invasion auf Jugoslawien ging die italienische Invasion auf Griechenland voraus, die in einer Katastrophe endete. Während der sechsmonatigen Kriegshandlungen auf schwer begehbarem Territorium und bei sehr schlechten Wetterbedingungen verloren Mussolinis Kräfte zwischen 63 000 und 500 000 Soldaten. Die deutschen Truppen entschieden sich, zu intervenieren, aber für eine erfolgreiche Intervention brauchten sie eine leichter gangbare Route bis Griechenland. Veilleicht das Wichtigste dabei war, dass die Kontrolle über Griechenland den Deutschen ermöglicht hätte, das nordöstliche Mittelmeer zu kontrollieren und die Versorgung ihrer Einheiten in Nordafrika sicherzustellen. In diesem Kontext war die Insel Kreta insbesondere wichtig, die durch den Einsatz deutscher Fallschirmtruppen eingenommen wurde. Als ein möglicher Grund für die Besetzung Balkans wird manchmal auch der Wunsch der Deutschen erwähnt, Ölfelder Rumäniens vor eventuellen Luftangriffen der Alliierten zu beschützen.

Zeugenaussage: Adam Vurunić, Feldwebel der Armee des Königreichs Jugoslawien

Ich war Feldwebel, Volkswirt von Beruf, ich trug Militärklamotten in Zagreb. Am 10. April, als Deutsche in Zagreb einmarschierten, kam ein Ordonnanzoffizier und sagte weinend: „Na die Zivilisten greifen Offiziere an den Straßen an, nehmen ihre Epauletten ab, schlagen sie…“

Gegen Mittag trafen Mačeks Schutztruppen in die Kaserne ein, ungefähr fünf-sechs bewaffnete Männer, die jene Hüte trugen. Wir waren unbewaffnet. Sie sammelten uns ein und brachten uns zu einem Haus auf Tuškanac1. Dort wurden wir festgehalten und nach dem Dunkelwerden freigelassen. Ich bin mit einem meiner Kameraden, einem Kroaten, zu seiner Wohnung in die Vinogradska Straße2 gegangen. Dort haben wir im Radio die Nachrichten gehört, dass der Unabhängige Staat Kroatien formiert wurde. Man rief alle kroatische Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere auf, sich in die Kaserne des 35. Regiments zu melden. Hier blieb ich acht Tage lang. Ich ging auch auf die Straße und betrachtete die gefangene Armee. Ich spazierte im Zivilanzug. Am 19. April verließ ich die Wohnung und ging nach Grubišno Polje3, zum Haus meines Schwiegervaters.

In der Nacht vom 26. auf 27. April kamen siee, mich und meine Schwäger Dan und Ilija gefangen zu nehmen. Wir haben schon geschlafen, als sie irgendwann zwischen 11 und 12 einstürmten und anfingen, „Aufmachen, aufmachen!“ schreiend mit Gewehrkolben auf die Türe zu schlagen. Man hörte da eine Stimme: „Sein Schwiegersohn ist ein Unteroffizier!“ Mein Schwager öffnete die Tür. Sie schrien: „Hände hoch! Steh auf, steh auf!“ Das Haus betraten nur die „Fremden“. Sie trugen Uniformen und hatten Taschenlampen. Einheimische Denunzianten blieben draußen.

Wir standen auf. Sie fassten uns sofort an den Händen und erlaubten uns nicht einmal, uns richtig anzuziehen. Schon im Haus wurden wir drei mit einem Draht zusammen gefesselt. Wir traten uns gegenseitig auf die Füße. Es war ein üblicher Draht. Wir wurden in die Dunkelheit herausgejagt und dann der Kolonne angeschlossen, die schon am Eingang ins Dorf formiert wurde. Meinen Schwager Ljuban, der ein Invalide und gelähmt war, schlugen sie im Bett mit einem Schlagstock. Die Kolonne, die vor jedem serbischen Haus stehen blieb (um auch andere einzusammeln und in die Kolonne hineinzujagen), erreichte irgendwann gegen Morgendämmerung die Schule. Wir wurden hineingezwängt. Der Tag brach schon aus, als ich und Nenad Popović aufgerufen wurden. Er war auch Unteroffizier. Sie sagten zu uns: „Geht pinkeln.“ Ich sagte ich muss jetzt nicht. Allerdings schrien sie: „Geh! Los!“ Wir gingen. Da wartete auf uns ein Spalier von Ustascha mit Gewehren. Sie schlugen mit Gewehrkolben auf uns. Insbesondere als wir zurückgingen, bis wir uns mit den anderen nicht ausgemischt haben. Aus der Schule gingen wir in der Kolonne je vier in der Reihe Richtung Bahnhof. Um uns befanden sich Wächter der Zagreber Polizei mit Bajonetten. Sie trugen schwarze Anzüge. Am Bahnhof mussten wir in Viehwaggons einsteigen. Beim Heben und Klettern wurden wir geschlagen und mit Gewehrkolben geprügelt. Manche wurden dabei stark geprügelt, ich blieb ohne Verletzungen. Die Waggons waren überfüllt. Einige saßen, aber konnten nicht mehr aufstehen.

Am Abend fuhren wir Richtung Zagreb los und erreichten das Gelände der Zagreber Messe.

Es war Abend. Dort stand ein Spalier von Soldaten mit Gewehren. Sie schlugen mit den Gewehrkolben jeden, den sie erreichen konnten. Nur wenigen gelang es, durch das Spalier zu gehen, ohne mit Gewehrkolben geschlagen zu werden.

Sie zwangen uns, am borkigen Beton zu sitzen und so verbrachten wir die Nacht. Jeder, der aufs Klo gegangen ist, wurde von einem Wächter verfolgt, der sein Gewehr mit Bajonett einsatzbereit hielt. Am Nachmittag wurden wir auf demselben Ort in die Waggons eingeladen und nach Koprivnica geschickt. Beim Aussteigen von den Waggons gab es wieder ein Spalier so wie in Zagreb. Wir wurden auf die Räumlichkeiten der Fabrik Danica4 verteilt.

1 Ein Viertel in Zagreb

2 Eine Straße in Zagreb

3 Ein Ort in Zentralkroatien

4 In der stillgelegtenFabrik wurde der erste Konzentrationslager im Unabhängigen Staat errichtet.

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