Wenn Psyciatrie zur Diagnose wird

Wenn Psyciatrie zur Diagnose wird

Der russische Milliardär Sergej Polonski wurde nach dem Serbskij-Institut eingewiesen, sodass seine psychische Gesundheit beurteilt werden kann. Das Gutachten zur geistigen Verfassung wurde in der Sowjetunion als grausames Mittel gegen politische Dissidenten benutzt. Nur spezialisierte Fachleute konnten in einem Wunsch nach politischer Reform die frühe Phase der Schizophrenie erkennen. Jedoch wird eine solche Praxis auch heutzutage angewendet.

Die schleichende Schizophrenie (ru. vjalotekušaja šizofrenija) ist eine besondere diagnostische Kategorie von Schizophrenie, die in der Sowjetunion vom Psychiater Andrej Wladimirowitsch Sneschnewski und seinen Mitarbeitern entwickelt wurde. Sneschnewski war einer der führenden Psychiater im damaligen Staat und der Präsident der Akademie der medizinischen Wissenschaften, der sich mit der Weiterentwicklung der besonderen, russischen Tradition von Psychopathologie beschäftigte.

Russische Tradition

In Russland begann man schon 1762 sich mit psychischen Erkrankungen auseinanderzusetzen, als das Gesetz über die Fürsorge von Menschen mit psychischen Störungen in dazu geeigneten Anstalten erlassen wurde. Die erste Zufluchtsstätte für psychisch kranke Menschen wurde in Sankt Petersburg 1771 unter der ärztlichen Leitung gegründet und bis 1814 gab es in Russland 14 solche Stätten. Die russische Psychiatrie fing an, den Schritt mit der europäischen Entwicklung in diesem Bereich zu halten. Trotzdem tauchte Anfang des 20. Jahrhunderts einer der frühen Bezeichnungen für Schizophrenie auf – der Terminus dementia praecox. Russische Psychiater unterstützten Bolschewismus und als Gegenleistung wurde die sogenannte Moskauer Schule für Psychiatrie sehr einflussreich im neuen Staat.

Einer der führenden Psychiater Moskaus war Pyotr Borisovisch Gannushkin. Er erforschte das “Grenzbereich” zwischen Persönlichkeitsstörungen und Neurosen und behauptete, das es eine Kontinuität unter Neurosen, Persönlichkeitsstörungen und Psychosen gibt. Die ersten Generationen der Moskauer Schule lehnten das Konzept der milden Schizophrenie ab, aber später akzeptierten sie es doch. Unter der Führung von Sneschnewski versuchte man zwischen 1940er und 1980er ein universelles klinisch-biologisches Schizophrenie-Modell zu erarbeiten, das sowohl die Ätiologie als auch die Folgen der Krankheit erklären konnte. Aus den Bemühungen resultierte ein komplexes, für Russland typisches Modell der Schizophrenie. In der russischen Psychiatrie-Tradition gab es keine heutzutage bekannten Persönlichkeitsstörungen wie die Borderline-Persönlichkeitsstörung oder die schizoide Persönlichkeitsstörung. Anstatt dessen wurden sie als frühe oder fortgeschrittene Phase der Schizophrenie definiert. Die Erscheinung einer bestimmten Phase hing vom Kontext ab, was die Entwicklung eines umfassenden Systems zur Erkennung und Diagnose von Schizophrenie ermöglichte. Die russische Psychiatrie ist durch die Überzeugung gekennzeichnet, dass sich alle Störungen in ein Kontinuum von Neurosen, Persönlichkeitsstörungen und endogenen Psychosen einordnen lassen. Im Unterschied zu den damaligen Schizophrenie-Typen unterschied Sneschnewski drei Haupttypen: 1. kontinuierliche Schizophrenie, die sich schleichend oder rasch entwickelt; 2. Periodische Schizophrenie mit den typischen, starken und akuten Anfällen sowie Remissionen; 3. Mischtyp, bei dem der Fortschritt sichtbar war und die Remission nach einem Anfall nur teilweise eintrat. Außerdem gab es zahlreiche Übergangsformen, die die heute bekannten Störungen wie die bipolare affektive Störung, schizotypische und schizoide Persönlichkeitsstörungen umfassen.

Schizophrenie im Dienste des KGB

Leider war das System nicht perfekt. Eine gute Anzahl Psychiater konnte auch die Nichteinhaltung der Normen oder pathologische Suche nach Gerechtigkeit als Symptome einer psychischen Krankheit erkennen. Viele glaubten, dass Kommunismus eine wissenschaftlich gerechtfertigte Ordnung war und daher ganz logisch und rationell. Nikita Chruschtschow erklärte in der Rede vom 24. Mai 1959, die in der Staatszeitung Prawda veröffentlicht wurde, dass Menschen, die sich dem Kommunismus widersetzen, psychisch krank sind. Um die schleichende Schizophrenie zu diagnostizieren, brauchte man keine psychotischen Symptome zu haben, sondern war nur eine bestimmte Anzahl der negativen Symptome nötig: Pessimismus, Konflikte mit Autoritäten, soziale Fehlanpassung.

Im Unterschied zum modernen Verständnis von Schizophrenie war die Anwesenheit der oben erwähnten Symptome für die Diagnose genug. Deswegen konnten viele Persönlichkeitsstörungen, Anxiosität oder Depression als Schizophrenie diagnostiziert werden. Sneschnewski selbst behauptete, dass ungeübtes Auge kleine Persönlichkeitsänderungen nicht erkennen kann, die die schleichende Schizophrenie prägen. Seiner Meinung nach können die Kranken in der Gesellschaft weiter funktionieren, aber leiden unter wahnhaftem Streben nach Wahrheit, soziale Gerechtigkeit und Wohlhaben für die Menschheit. Schnell wurden darin pathologische Wünsche nach Reformen erkannt. Menschen mit der „paranoiden Persönlichkeitsstruktur“ litten angeblich unter dem wahnhaften Wunsch nach „Kampf für Wahrheit und Gerechtigkeit“. Eine wenig bekannte Tatsache ist, dass gerade Sneschnewski den Unterschied zwischen den positiven und negativen Symptomen der Schizophrenie populär machte (die positiven sind Desillusion oder Sprach- und Denkstörungen; die negativen sind verringerte emotionale Ausdrucksfähigkeit und Wortschatz sowie mangelnder Wunsch nach Beisammensein und Motivation). Deswegen wurde ihm lange der Unterschied zugeschrieben.

Interesse des KGB

Sneschnewski diagnostizierte am 5. Juli 1962 dem politischen Häftling Wladimir Bukowski Schizophrenie. Das KGB erkannte ein großes Potenzial solcher Diagnosen im Kampf gegen politische Dissidenten, besonders nachdem Jurij Andropow im Mai 1967 der KGB-Vorsitzende geworden war. Nur zwei Monate danach startete er das Programm für Bewachung von Dissidenten, das sogenannte Fünfte Direktorat (eine bestimmte ideologische Agentur für Gegenspionage) und 1968 spielte es eine große Rolle bei der Unterdrückung des Prager Frühlings. Denn das Ereignis in Prag warnte vor dem Gefahr, dass der Zusammenbruch der kommunistischen Ideologie möglich war. Am 29. April 1969 schlug er einen neuen Plan vor, um die sowjetische Macht und sozialistische Ordnung zu bewahren, indem ein nationales Netz von psychiatrischen Krankenhäusern sollte errichtet werden.

In der gesprochenen Sprache wurden solche Krankenhäuser “psikuška” (ru. kleine Irrenanstalt) genannt. Dem Plan folgte das Dekret 345-209 vom 15. Mai 1969, wo Maßnahmen zur Prävention von „gefährlichen Taten der psychisch kranken Menschen“ aufgelistet waren. Das zweite Element des Dekrets war die Zusammenarbeit mit dem Serbskij-Institut, wo sich Psychiater für die Erkennung von schleichender Schizophrenie spezialisierten. Das Institut wurde 1921 gegründet und nach dem Psychiater Wladimir Serbskij benannt, einem der Gründer der forensischen Psychiatrie in Russland. Er wurde als Autorität für Psychosen, Alkoholismus, Sucht, Gehirnverletzungen, aber auch forensische Untersuchungen in der Gerichtsmedizin angesehen. Später wurde gerade Andrej Sneschnewski zum Direktor des Instituts. Viele Psychiater waren ganz davon überzeugt, dass sie den Kranken helfen, während einige andere Ärzte mit den Geheimdiensten zusammenarbeiteten. Den Psychiatern wurde gesagt, wen sie untersuchen sollten und falls sich die Person widersetzte, die Polizei brachte sie zwangsweise zum Krankenhaus. Einige von Ärzten waren auch Prüfer aus den Geheimdiensten. Eine psychiatrische Diagnose brauchte nicht von einem Gericht bestätigt werden, weswegen Absperrungen aus politischen Gründen erfolgten. Die Sowjetunion begann, massenweise psychiatrische Anstalten zu errichten. Zwischen 1962 und 1974 die Bettenanzahl stieg von 222600 auf 390000, was manchmal für propagandistische Zwecke als Fürsorge für einen kleinen Menschen hervorgehoben wurde. Die Dissidenten wurden nach der Diagnose eingesperrt, gefesselt und mit starken Antipsychotika medikamentiert. Immer wurden die politischen Häftlinge in Abteilungen zusammen mit den psychisch kranken Mördern untergebracht. Neben Antipsychotika mussten die angeblichen Kranken auch Schlafmittel, Insulin und verschiedene Narkotika einnehmen. Vermeintlich wurden sie auch fraglichen medizinischen Verfahren ausgesetzt, die an der Grenze mit Experimenten lagen, wie unnötige Lumbalpunktion (Entnahme von Nervenwasser aus dem Lendenwirbelsäulenkanal).

Unter solchen Patienten waren Joseph Brodski (Dichter), Wladimir Bukowski (Aktivist), Alexander Jessenin-Volpin (Dichter und Mathematiker), Pjotr Grigorenko (Generalmajor), Zhores Medvedev (Biologe und Historiker), Viktor Nekipelov (Schriftsteller), Natan Scharanski (israelischer Politiker), Andrei Sinjawski (Schriftsteller), Anatolij Korjagin (Psychiater) und andere. Der politische Missbrauch in der Sowjetunion wurde in der Welt bekannt. Deswegen wurde die Sowjetunion in der Generalversammlung des Weltverbands für Psychiatrie in Mexiko 1971, auf Hawaii 1977, in Wien 1983 und Athen 1989 öffentlich aufgerufen. Wladimir Bukowski schmuggelte 1971 einen forensischen 150-seitigen Bericht in die USA. Danach wurde er wegen der Verbreitung staatsgefährdender Materialien 1972 verurteilt. Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit richtete sich auf die Sowjetunion, weswegen sie aus dem Weltverband für Psychiatrie austreten musste, um nicht ausgeschlossenen zu werden. Einer der amerikanischen Experte besuchte 1989 die Sowjetunion und war über die Anzahl der eingesperrten Dissidenten mit der Diagnose „Desillusion über Reformismus“ entsetzt.

Die schleichende Schizophrenie war neben der Paranoia eine der häufigsten Diagnosen in der Sowjetunion, anhand deren politische Gegner eingesperrt wurden. In den 1980er gab es in Russland dreimal mehr Schizophreniekranke als in den USA bzw. zweimal mehr als in der BRD, Österreich oder Japan.

Tragisches Ende

Der Weltverband für Psychiatrie kritisierte Sneschnewski, dass er die schleichende Psychose ausdachte, um dem KGB zu helfen. Nach Aussagen von seinen Zeitgenossen glaubte Sneschnewski wirklich, dass seine Diagnose eine richtige ist und dass es in seinem Fall um keine Gefolgschaft der politischen Macht ging. Er starb 1987 an Lungenkrebs. Er war Träger des Ehrentitels Held der sozialistischen Arbeit, zweier Leninordens, vier Orden des Roten Sterns und bekam den Staatspreis der Sowjetunion. 1982 wurde er als Nachfolger Breschnews zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion gewählt, aber er starb 15 Monaten später.

Schleichende Psychose als Diagnose kann man auch heute in der russischen Ausgabe des Diagnostischen Manual Psychischer Störungen wie auch in vielen ex-kommunistischen Ländern oder ex-Mitglieder des Warschauer Paktes finden. Das Serbskij-Institut existiert heute noch und sein Leiter ist Zurab Kekelidze, der führende Psychiater in Putins Russland. Das Thema seiner Doktorarbeit war gerade die schleichende Schizophrenie. Er erklärte, dass auch Homosexualität ein Symptom von schizophrenen psychischen Störungen. Ein Experte vom selben Institut sagte im Dezember 2012, dass Aktivisten für Bürgerrechten wegen ihrer „mentalen Pathologie“ aus gesellschaftlichen Normen brechen und ihre Krankheit „vom Westen unterstützt“ wird.

Jurij Wladimirowitsch Andropow

Jurij Wladimirowitsch Andropow wurde 1914 in einer Familie kosakischer Herkunft geboren. In seiner Jugend zeichnete er sich durch seine Arbeit an parteilichen Arbeiterkomitees aus und während des Zweiten Weltkriegs nahm er an der Partisan-Bewegung in Finnland teil. Nach dem Krieg wurde er 1954 Botschafter in Ungarn. Er war über die ungarische Revolution entsetzt und überredete Nikita Chruschtschow zur militärischen Intervention in Ungarn. Angeblich kam er durch diese Erfahrung zur Ansicht, dass die Stabilität der kommunistischen Länder nur durch die Anwendung der Militärkraft zu erhalten ist.

Im Jahre 1967 wurde Andropow zum Vorsitzenden des KGB ernannt und 1973 wurde er Vollmitglied des Politbüros des ZK der KPdSU. Als in der Tschechoslowakei Revolution begann, nutzte das KGB die Gelegenheit, die Angst vor einer Intervention der NATO in der Tschechoslowakischen Republik einzuflößen. Andropow setzte sich für die Zerstörung jedes Versuches des Ungehorsams in irgendeiner Form und insistierte immer darauf, dass der Kampf um Menschenrechte imperialistische Verschwörung sei. Später bestand er auf militärische Invasion in Afghanistan und nach dem Tod Leonid Breschnews 1982 wurde er zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion gewählt.

Als Chef führte Andropow den Krieg in Afghanistan weiter, obwohl er auch über Friedensmöglichkeiten nachdachte. Er führte auch einen harten Kampf gegen Korruption. Der Westen war besorgt, weil man da wenige Informationen über ihn hatte. Man wusste nur, dass er für Interventionen in Ungarn, in der Tschechoslowakei und Afghanistan verantwortlich ist und dass er der KGB-Vorsitzende ist. Während dieser Zeit passierten in der Sowjetischen Union einige bekannte Ereignisse wie der Brief der 10-jährigen Amerikanerin Samantha Smith, der Absturz des koreanischen Passagierflugzeugs und die Abkühlung der Beziehungen zum Westen wegen der Ankündigung der amerikanischen strategischen Initiative im Bezug auf den antiballistischen Schirm. Andropow zeigte sich als ziemlich reformwillig.

Die letzten sechs Monate seines Lebens verbrachte er in einem Moskauer Krankenhaus wegen Nierenprobleme.

WLADIMIR KONSTANTINOVITSCH BUKOWSKI

Wladimir Konstantinovitsch Bukowski wurde 1942 in Baschkierien geboren. Sein Vater war ein bekannter Journalist. Schon als Student wurde er Aktivist und begann eine nicht autorisierte Zeitschrift zu veröffentlichen, weswegen er aus der Schule ausgeschlossen wurde. Er studierte Biologie und wurde später Neurobiologe. Er kritisierte das Regime und sah den Zusammenbruch der Ideologie sowie Moralmangel vor. 1961 wurde er von der Universität ausgeschlossen und 1963 wegen Vervielfältigung eines verbotenen Buches eines jugoslawischen Politikers verurteilt. Psychiater erklärten ihn für psychisch krank und wiesen ihn in ein spezielles Krankenhaus in Leningrad ein. Dort lernte er den General Pjotr Grigorenko kennen, der das Regime weiter kritisierte, auch nachdem er nach dem Fernen Osten abgeschoben wurde. Bukowski setzte fort, Demonstrationen zu organisieren und verbotene Materialien zu vervielfältigen. Darum wurde er mehrmals in „psikuška” eingesperrt.

Dies ging als Bumerang den KGB-Agenten zurück, weil sich Bukowski auf den politischen Missbrauch der Psychiatrie konzentrierte. Er sammelte Daten darüber und 1971 schaffte er einen 150-seitigen Text über Diagnosen von Dissidenten zu schmuggeln. Die Dokumente wurden von französischen Aktivisten veröffentlicht, die für das Internationale Komitee für Menschenrechte wirkten. Bukowski schmuggelte auch den Brief, der an die Psychiater im Westen adressiert war. Im Brief rief er sie auf, auf dem nächsten Kongress darüber zu sprechen, ob die im geschmuggelten Bericht angeführten Beweise für die Unterbringung in einem psychiatrischen Anstalt reichen. Schon im selben Jahr schrieben 44 Psychiater aus Europa an die Londoner Tageszeitung The Times und zogen die Berechtigung der Diagnose für sechs Patienten in Zweifel. Verschiedene Weltorganisationen führten bald Untersuchungen durch und 1977 wurde die Sowjetunion auf dem 6. Kongress des Weltverbandes für Psychiatrie verurteilt, wo auch ein Ausschuss für Untersuchung des politischen Missbrauchs der Psychiatrie gebildet wurde. Das hat dazu gebracht, dass die sowjetischen Vertreter 1983 von selbst austraten, um nicht ausgeschlossen zu werden. Bukowski feierte dies später als einen großen Erfolg.

Bukowski wurde in der russischen Tageszeitung Prawda als “böser Krawallmacher” benannt und am 29. März 1971 festgenommen. Nachdem er ein paar Monaten in einem psychiatrischen Anstalt verbrachte, wurde er zu psychisch gesund erklärt. Jedoch stand noch ein Gerichtsprozess vor ihm. Er wurde zu zwei Jahren Gefängnis, fünf Jahren Lager und fünf Jahren Verbannung verurteilt. Im Gefängnis schrieb Bukowski zusammen mit einem eingesperrten Psychiater, Semjon Glusman, das Handbuch der Psychiatrie für Dissidenten, in dem sie die Anweisungen gaben, wie man sich während eines polizeilichen Vernehmens benehmen soll, um nicht zu psychisch krank erklärt zu werden.

Bukowski war Ende 1976 zwangsweise aus der Sowjetunion deportiert und in Zürich gegen den gefangengehaltenen chilenischen Kommunistenführer Louis Corvalan getauscht. Bukowski ließ sich in Cambridge (Großbritannien) nieder, wo er seine Memoiren verfasste und sein Biologiestudium fortsetzte. Er wurde zu einem prominenten Kritiker der Sowjetunion aber zugleich kritisierte er die “westliche Naivität”. Er war einer der Initiatoren des Boykotts gegen die Olympischen Sommerspiele in Moskau 1980. Dies war eine Antwort auf die sowjetische Intervention in Afghanistan. Bukowski begründete mit anderen Kollegen die American Foundation for Resistance International, eine antikommunistische Organisation, die den Dissidenten helfen sollte, Proteste gegen kommunistische Länder zu organisieren und versuchte die Beziehung zwischen dem Westen und Osten zu verbessern. Bukowski sorgte später für einen Skandal, als er zusammen mit anderen Emigranten Michail Gorbatschow verklagte, dass dieser eigentlich keine Absicht hatte, Reformen durchzuführen.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde Bukowski vom russischen Präsidenten Boris Jelzin als Experte im Prozess eingeladen, den Kommunisten gegen Jelzin führten, um die Aufhebung des Verbots der KPdSU. Bukowski nutzte die Gelegenheit, viele Geheimdokumente unbemerkt zu scannen und nach Westen zu schicken. Die Materialien beinhalteten auch Geheimberichte des KGB an das Zentralkomitee. Die Materialien wurden später veröffentlicht und in einige Sprachen übersetzt, aber nicht ins Englische. Zwischen Jelzin und Bukowski eskalierte später ein Streit, weswegen Jelzin ihm zwischen 1996 und 2007 ihm die Genehmigung für einen abermaligen Russland-Besuch verweigerte. 2007 durfte er nach Russland zurückkehren, weil er sich für die Wahlen zum Präsidenten kandidierte, wobei der Gegenkandidat Dmitri Medvedev war. Seine Bewerbung wurde jedoch abgelehnt, weil er 10 Jahre davor in Großbritannien gelebt hatte. Bukowski lebt immer noch in Cambridge und kritisiert sowohl Putins als auch die amerikanische und europäische Politik.

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