Titos Imperium: die Balkanföderation

Titos Imperium: die Balkanföderation

Am Ende des Zweiten Weltkrieges stellte Titos Jugoslawien, das er als Ausgangspunkt für den Ausbau eines balkanischen Imperiums ansah, das dem Westen eine größere Gefahr als die Sowjetunion darstellte. Während Stalin mit seiner Einflusszone zufrieden war, wollte Tito noch das italienische Triest und Istrien sowie Albanien dem jugoslawischen Staat anschließen. Dazu unterstützte er griechische Partisanen wider den Willen Moskaus. Die von Tito geplante Balkanföderation wäre so groß wie Großbritannien und Frankreich zusammen gewesen.

Erste Ideen zur Errichtung einer Balkanföderation (bzw. einer balkanischen Konföderation) reichen bis in das 19. Jahrhundert. Es handelte sich weitgehend um Ideen links orientierter Politiker, die als eine Alternative zu den expansionistischen Plänen der neu errichteten unabhängigen Staaten entstanden sind. Die Initiatoren dieser Idee gehörten der Generation junger Intellektuellen meistens aus Bulgarien und Serbien, wie der Dichter und Journalist Hrist Botev sowie der Politiker und Publizist Svetozar Marković. Das Ziel ihrer Bestrebungen war, eine neue politische Staatsform, bzw. eine Bundesrepublik zu errichten, die die Balkanhalbinsel auf Basis von Internationalismus, gesellschaftlicher Solidarität und ökonomischer Gleichheit vereinigen sollte. Ein spezifisches Ereignis, das als Anfang dieser Gedanken angenommen werden kann, ist das Treffen radikaler Intellektuellen in Belgrad 1865, die die Demokratische Orientalische Föderation gründeten und die Errichtung einer Föderation vorschlugen, die sich von den Alpen bis Zypern erstreckt hätte.

Die Idee einer Balkanföderation

Im Jahre 1894 wurde in Frankreich die „Liga für die Balkan-Konföderation“ gegründet, an der sich Sozialisten ostbalkanischer Staaten beteiligten. Zum Präsidenten wurde der griechische Sozialist Pavlos Argyriades gewählt, der mazedonische Autonomie innerhalb der Balkanföderation unterstützte. Die Mazedonien-Frage war nämlich zu jener Zeit sehr heikel, da Serbien, Griechenland und Bulgarien Ansprüche auf mazedonisches Territorium erhoben. Es ist interessant, dass auch die Innere Mazedonische Revolutionäre Organisation „VMRO“ (derer Agent 1931 den König Alexander Karađorđević tötete) nach der Befreiung und Vereinigung Mazedoniens seine Integrierung in die Balkanföderation vorsah. Der Kongress der sozialdemokratischen Parteien vom Balkan fand in Belgrad im Januar 1910 statt und war eine gewisse Fortsetzung der Gespräche aus dem Jahr 1894. Am Kongress nahmen Parteien aus der Türkei, Serbien, Bulgarien, Rumänien, Montenegro, Mazedonien, Kroatien und Slowenien teil (die letzten zwei gehörten zu dieser Zeit zum Kaiserreich Österreich-Ungarn).

Trotz pazifistischen Bestrebungen der oben erwähnten Beteiligten brachen Kriege doch aus. Außer territorialen Ambitionen der Ost-Balkan-Länder stellten das unterschiedliche kulturelle Erbe der Länder auf der Balkanhalbinsel sowie ihre unterschiedliche Wirtschaftsstufe große Probleme für die Integration dar. Es wurden zwei Balkankriege geführt, die bedeutende territoriale Veränderungen zur Folge hatten. Diese Kriege waren jedoch nur Vorspiel zu einem noch schrecklicheren Krieg – dem Ersten Weltkrieg. Im Jahre 1915 wurde eine Konferenz in Bukarest organisiert, auf der sich die Beteiligten zur Gründung der Revolutionären Sozialdemokratischen Arbeiterföderation entschlossen, deren Mitglieder sich der Teilnahme am Ersten Weltkrieg widersetzen (übrigens unterstützten die meisten Sozialdemokraten im Laufe des Krieges ihre Regierungen). Einer der wichtigsten Mitglieder war der zukünftige bulgarische kommunistische Anführer Georgi Dimitrov. Jedoch wurden diese Versuche von den Regierungen jeweiliger Länder hintertrieben.

Kommunistische Föderation

Die Idee zur Errichtung einer Balkanföderation bekam durch die Oktoberrevolution in Russland 1917 einen neuen Aufschwung. Die Kommunistische Internationale (Komintern) sammelte in ihren Reihen revolutionäre Sozialisten aus allen Balkan-Ländern. Vielmehr nahm sie die Errichtung einer Balkanföderation als Bestandteil ihrer Politik gegenüber dem Balkan. Der Föderalismus war nämlich dem Leninismus als der Bewegung inhärent, da man dadurch (im Grunde genommen erfolglos) die nationalen Fragen lösen wollte. Selbstverständlich war die Balkanische Kommunistische Föderation den Interessen Moskaus unterworfen. Das Projekt hatte mehrere Varianten im Bezug darauf, welche Länder es umfassen sollte.

Interessanterweise unterstützte die Komintern die Zusammenarbeit mit der VMRO und anderen ähnlichen Organisationen in der Hoffnung, revolutionäre Bewegungen auf dem Balkan zu verbreiten und dadurch die dort bestehenden Monarchien zu destabilisieren. Wiederum stand die sogenannte mazedonische Frage im Vordergrund. Im Jahre 1925 trennten sich einige Zweige erwähnter lokaler Organisationen von ihren Dachorganisationen ab und setzten sich die Errichtung sowjetischer Republiken zu ihrem Ziel. Allerdings drangen die Unstimmigkeiten zwischen den Führungen lokaler kommunistischer Parteien und ihr politischer Misserfolg bei den Wahlen die mazedonische Frage in den Hintergrund.

Jugoslawische Kommunisten hielten das Königreich SHS für einen Staat „in dem die herrschende Klasse einer [serbischen] Nation andere Nationen unterdrückt.“ In Wien fing die kommunistische Organisation 1924 eine mehrsprachige Zeitschrift unter dem Titel „Balkanföderation“ (La Federation Balkanique) auszugeben. Es ist interessant zu erwähnen, dass die Komintern am Anfang tendierte, das Königreich SHS, bzw. Jugoslawien zu zerschlagen und an dessen Ruinen eine Balkanföderation zu errichten.

Als Stalin zum Ende der 20er Jahre an die Macht kam, gab die Komintern die Idee einer Weltrevolution auf und verabschiedete das Programm „des Sozialismus in einem Staat“, wonach die Idee des balkanischen Internationalismus erstarb. Die Internationalisten wurden in der kommunistischen Bewegung zur Minderheit. Ebenso wurde die Idee der ZerschlagungJugoslawiens aufgegeben. Die Balkanische Kommunistische Föderation wurde 1938 aufgelöst.

Obwohl es im Zweiten Weltkrieg Anregungen gab, die Widerstandsbewegungen in den jugoslawischen Ländern, in Albanien, Bulgarien und Griechenland miteinander zu vereinigen, konnte die Idee in der Wirklichkeit nicht durchgeführt werden. Einer der Gründe dafür war die Tatsache, dass sich die westlichen Alliierten jedweder Veränderung der Grenzen vor dem Ende des Krieges widersetzten. Dies gelang nur innerhalb Jugoslawiens, jedoch nicht ohne große Unstimmigkeiten zwischen den Führungen jeweiliger Länder. Trotzdem befürchteten die Deutschen ein solches Szenario. Am Ende profilierte sich Tito als unbestrittener Anführer kommunistischer Kräfte in Jugoslawien. Die führende Rolle Titos in der Befreiung Jugoslawiens verstärkte nicht nur seine Position innerhalb der Partei und in der Bevölkerung, sondern veranlasste ihn, im Vergleich zu anderen Anführern des Ostblocks darauf zu insistieren, dass Jugoslawien mehr Freiheit für die Verfolgung seiner Interessen bekommt. Dies führte noch während des Zweiten Weltkrieges zu bestimmten Spannungen zwischen Jugoslawien und der Sowjetunion.

Tito baut sein Imperium auf

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Verhandlungen zwischen den neuen kommunistischen Mächten in Jugoslawien, Bulgarien, Rumänien und Albanien geführt, in denen unter den wachen Augen der Sowjetunion und ihrer Anführer Stalin über eine Balkanföderation verhandelt wurde. Es gab ernsthafte Versuche, auch Griechenland mit einbeziehen und zwar im Falle, dass griechische kommunistische Partisanen gewinnen, denen Tito sehr aktiv verhalf. Jugoslawien entwickelte gleichzeitig eine viel engere Beziehung zu Albanien, wo Belgrad ein gewisses Protektorat errichtete. Albanien und Jugoslawien unterzeichneten am 1. Juli 1946 den Vertrag über Freundschaft und gegenseitige Hilfe. Nächstes Jahr schlossen Albanien und Bulgarien einen ähnlichen Vertrag. Es wurde auch der Vertrag über Zusammenarbeit zwischen Bulgarien und Rumänien unterzeichnet.

In diesem Projekt spielte Jugoslawien eine führende Rolle vor allem deswegen, weil es im Zweiten Weltkrieg weitgehend mit eigenen Kräften die Achsenmächte überwältigte. Zur selben Zeit entwickelte Jugoslawien ein Netz von Behörden für die Lokalverwaltung (wie auch zur Durchführung der Repressionsmaßnahmen), die den Kommunisten eine schnelle und effektive Machtübernahme im Land ermöglichte. Natürlich war Titos Ego auch ein Schlüsselfaktor, das man mit dem Ego Stalins vergleichen kann. Neben Tito war die zweite Schlüsselfigur der erwähnten Bestrebungen der bulgarische kommunistische Anführer Dimitrov. Bulgarien und Jugoslawien standen nach dem Krieg in sehr guten Beziehungen zueinander und begannen 1946 über die Vereinigung in eine Balkanföderation zu verhandeln, in dessen Rahmen Mazedonien viel größer wäre gewesen (Vardar-Mazedonien, Pirin-Mazedonien und wahrscheinlich Ägäis-Mazedonien, das derzeit in den griechischen Bürgerkrieg verwickelt wurde).

Als Zugeständnis gegenüber Jugoslawien erkannte Bulgarien die Unterschiedlichkeit zwischen der bulgarischen und mazedonischen Sprache und Nation an. Danach unterzeichneten die zwei Staaten am 1. August 1947 den Vertrag von Bled (Veldes). Kurz danach übte Stalin Druck auf diese zwei Staaten aus, die dazu einen Freundschaftsvertrag unterzeichnen mussten. Dadurch mussten sie ihre Standpunkte den sowjetischen Interessen auf dem Balkan anpassen. Jugoslawien schickte über 1000 mazedonische Lehrer nach Pirin-Mazedonien (ein Teil Bulgariens), um den dortigen Kindern mazedonische Sprache beizubringen. Nach demselben Vertrag sollte Jugoslawien das Gebiet um Pirot in Serbien an Bulgarien zurückgeben. Die Anerkennung einer besonderen mazedonischen Identität sollte auch mögliche serbische Ansprüche auf dieses Territorium verhindern. Dazu willigte Jugoslawien auch ein, Bulgarien einen Teil der Kriegsreparationen, die es Jugoslawien schuldete, abzuschreiben.

Jedoch kamen bald Unterschiede zwischen Sichtweisen auf die zukünftige Föderation ans Licht. Dimitrov war der Meinung, dass Jugoslawien und Bulgarien gleichberechtigt sein sollten, wobei Mazedonien mehr unter dem Schutz Bulgariens stehen sollte. Im Gegensatz dazu sah Tito Bulgarien als Jugoslawiens siebte Republik. Stalin missbilligte diese Stellungnahme von Tito. Dazu betrachtete Tito Mazedonier als ein gesondertes Volk, während Dimitrov sie als einen Abzweig des bulgarischen Volkes ansah.

Der zweite wichtige Faktor bei der Errichtung der Balkanföderation waren albanisch-jugoslawische Beziehungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Beziehungen zwischen Moskau und Tirana durch Jugoslawien verwirklicht. Die Verknüpfung Albaniens und Jugoslawiens fand auf allen Ebenen statt. Jugoslawien schickte nach Albanien verschiedene Experten sowie Waffen und Proviante, obwohl Jugoslawien selbst Mangel daran hatte. Die „Serbokroatische“ Sprache wurde sogar als Pflichtfach in albanische Schulen eingeführt. Im Laufe der sowjetisch-jugoslawischen Gespräche in Moskau 1946 hatte Stalin nichts gegen den Wunsch Jugoslawiens, Albanien der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien anzugliedern. Es gab sogar Ideen, Kosovo dem albanischen Staat einzuverleiben. Sogar wurde eine Vereinbarung über die Führung einer gemeinsamen wirtschaftlichen Politik sowie die Gründung von gemischten jugoslawisch-albanischen Unternehmen getroffen. Einige führende albanische Politiker widersetzten sich der Einmischung Jugoslawiens in die innenpolitischen Angelegenheiten Albaniens. Im Januar 1947 erhob sich der albanische Wirtschaftsminister Nako Spiru offen dagegen. Bald wurde er auf der einen Seite von Belgrad der Sabotage der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und auf der anderen Seiten von der albanischen Führung des Chauvinismus beschuldigt. Kurz danach beging Spiru Selbstmord, womit die Zuspitzung albanisch-jugoslawischer Beziehungen begann. Dritter wichtiger Faktor in den Verhandlungen über die Errichtung der Balkanföderation war der griechische Bürgerkrieg. Griechische Kommunisten („KKE“ – Kommunistische Partei Griechenlands und ihr militärischer Abzweig „ELAS“ – Griechische Volksbefreiungsarmee) organisierten im Norden des Landes die „Vorläufige demokratische Regierung“, worin sie besonders von jugoslawischen, bulgarischen und albanischen Kommunisten unterstützt wurden. Im Falle einer Gefahr konnten griechische Partisanen die Grenze zu Albanien oder Mazedonien überqueren und sich in Sicherheit bringen. Die Vereinigten Staaten und Großbritannien verurteilten die Errichtung dieser Regierung sowie die Hilfe, die ihr die Nachbarstaaten leisteten. Es soll erwähnt werden, dass Stalin der Meinung war, dass es am besten wäre, zuerst die Vereinigung Jugoslawiens und Bulgariens und erst danach die Vereinigung Jugoslawiens und Albaniens zu vollziehen. Dabei sollte man aber den Aufstand in Griechenland beruhigen, da Amerika „die stärkste Macht in der Welt“ und für eine Militärintervention bereit ist.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lehnten einige Mitglieder der ELAS es ab, sich entsprechend dem Befehl Stalins zu entwaffnen und mit der prowestlichen monarchistischen Regierung zu „versöhnen“ (nach einem früheren Abkommen zwischen den Alliierten und der Sowjetunion gehörte Griechenland zur westlichen Einflusszone). Dabei spielte der Einfluss Titos wahrscheinlich eine wichtige Rolle. Er wusste nämlich aus eigener Erfahrung, dass man fast ausschließlich mithilfe der eigenen Guerillabewegung an die Macht kommen kann. Dazu bestand noch ein Problem in mangelder Kommunikation zwischen den obersten und niedrigsten Schichten der ELAS, weswegen einige kleinere Einheiten in Konflikt mit den Monarchisten und britischen Militärkräften in Griechenland kamen.

Informationsbüro in Konflikt und Zusammenbruch der Föderation

Alle Bestrebungen nach der Errichtung einer Balkanföderation wurden 1948 abrupt unterbrochen, nachdem in der Resolution des Informationsbüro Titos politisches Handeln verurteilt und sein Staat vom Rest des Ostblocks isoliert worden war.

Infolge der Zuspitzung der politischen Situation in der Welt lud Stalin im Februar 1948 Tito und Dimitrov zu Geheimgesprächen nach Moskau ein. Doch kam Tito nicht und zwar unter dem Vorwand, dass er krank gewesen sei. In dieser Besprechung wurden Jugoslawien und Bulgarien wegen der falsch geführten Außenpolitik streng verurteilt.

Stalin befürchtete schon von früher, dass die jugoslawische kommunistische Partei mit Tito an ihrer Spitze die Balkanföderation mit ihrem Hauptzentrum in Belgrad dominieren würde. Er hatte Angst, dass Tito Albanien und Griechenland unter seine Kontrolle in Zusammenarbeit mit Bulgarien bringen würde, bzw. einen starken kommunistischen Block im Südosten Europas errichten könnte, der nicht unter der Kontrolle Moskaus stehen würde. Natürlich stand dies im Widerspruch zum hierarchischen Modell der Verhältnisse im Ostblock, nach dem der Sowjetunion die Führungsrolle zugedacht wurde. Unter anderem sollte erwähnt werden, dass eine Balkanföderation die Verwirklichung des uralten russischen Traums vom Ausgang ins Mittelmeer verhindern würde.

Bald fingen im Ostblock stalinistische Säuberungsprozesse gegen die Politiker, die unter Verdacht standen, zu Jugoslawien beziehungsweise zu Tito zu neigen. In Jugoslawien begann natürlich die Abrechnung mit Anhängern des Informbüros. Dadurch wurde Bulgarien praktisch dazu gezwungen, gegenüber Jugoslawien eine feindliche Haltung einzunehmen, was sehr beduetend für die damalige politische Entwicklung war. Sogar nach einer gewissen Liberalisierung von Politik in Jugoslawien scheint Titos alternativer Stil des Kommunismus für Bulgarien nicht annehmbar, weil er gewisse territoriale Verluste für Bulgarien voraussetzte. Was es das Schicksal Dimitrovs anbelangt, scheint es, dass ihm Stalin seine Neigung zu Titos Politik nie verzeihen konnte, obwohl Dimitrov dem sowjetischen Modell der Innenpolitik völlig folgte. Das Modell bezog aggressive Nationalisierung und Kollektivierung auf wirtschaftlicher Ebene und totalitäre Diktatur in der Politik mit ein. Nachdem er 1948 wichtiger politischer Ämter enthoben wurde, starb er nächstes Jahr während eines Besuchs in Moskau. Da seine Gesundheit schnell verschlechterte, glaubte man, dass ihn Stalin vergiften ließ.

Kurz danach lehnte Albanien weitere Zusammenarbeit mit Jugoslawien ab und verfolgte mit äußerster Brutalität lokale jugoslawische und projugoslawische Kader. Der Anführer Albaniens Enver Hoxha wurde zum rigorösten stalinistischen Anführer in der Welt. Die Anlehnung an die entfernte Sowjetunion und nicht an Jugoslawien ermöglichte es Albanien, einen etwas höheren Grad der Selbstständigkeit zu erzielen. Kosovo blieb ein Bestandteil Jugoslawiens und wurde in den kommenden Jahrzehnten zu Brennpunkt vieler Unruhen.

Meinungsverschiedenheiten zwischen lokalen Politikern und der Komintern hatte fatale Folgen auch für griechische Partisanen. Mit der Zuspitzung der Verhältnisse zwischen der Sowjetunion und dem Westen flammte nämlich der Bürgerkrieg in Griechenland neu auf. „ELAS“ (die inzwischen in „DSE“ Demokratische Armee Griechenlands umbenannt wurde) stand vor einer schwierigen Entscheidung, denn man musste wählen, auf welche Seite sich im Konflikt um das Informationsbüro zu stellen. Damals befand sich die ELAS ohnehin unter hohem Druck wegen des Krieges gegen die monarchistischen Kräfte. Dies verursachte einen Konflikt innerhalb der griechischen kommunistischen Partei. Im Januar 1949 wurde der General Markos unter Anklage für Titoismus abgesetzt und durch Zahariadis ersetzt, der Stalin und dem Komintern gehorchte. Tito entzog der DSE jedwede Hilfe, die kurz danach besiegt wurde. Griechische königliche Regierung verwendete dabei auch Napalmbomben. Tausende von Flüchtlingen flohen nach Jugoslawien. Mit dem Zusammenbruch der Balkanföderation waren Titos Träume von der Errichtung eines neuen Blocks keinesfalls zusammengebrochen. Er begann, eine neue Bewegung von weltweiter Bedeutung zu organisieren – die Bewegung der Blockfreien Staaten.


3 Phasen in der Konzeptentwicklung:

  1. Antwort auf die Abschwächung des Osmanischen Reiches am Anfang des 20. Jahrhunderts

  2. Zwischenkriegszeit – die Kommunisten wurden zu den Hauptbefürwortern der Idee

  3. Konflikt zwischen den balkanischen kommunistischen Anführern und Stalin, der sich dieser Idee nach dem Zweiten Weltkrieg widersetzte

Kommunistischen Banden, die in Griechenland und Albanien auftauchen, soll man im Bezug auf das schon Gesagte mehr Aufmerksamkeit schenken. Solange sie ohne gegenseitige Verbindungen und Verbindungen zu Tito handeln, reicht es, in aktiver Verteidigung gegen sie auch territoriale Besatzungseinheiten zu verwenden. Falls sie unter die Kontrolle Titos kommen, werden sie die Verstärkung der allgemeinen bolschewistischen Gefahr auf dem Gebiet Jugoslawiens darstellen.“ Deutscher Bericht vom 1. November 1943


Konzepte kommunistischer Balkanföderation:

  1. Groß-Jugoslawien, bzw. die Länder des ehemaligen Jugoslawiens mit Albanien

  2. Balkanföderation – Groß-Jugoslawien mit Bulgarien

  3. Erweiterte Balkanföderation – Balkanföderation mit Rumänien und Griechenland, in einigen Fällen sogar mit der Türkei

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